Category Archives: late night entertainment

übers jahr gehört

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zurück und vorne dabei

Objektiv ungerecht behandelt und trotzdem freundlich

Pratervergnügen und Freizeittechnologien

Prater und Freizeitparks ziehen in den Sommertagen jene an, die nicht verreist sind. Die Stätten institutionalisierter Freizeitgestaltung locken mit dem Versprechen auf Abwechslung von der vertrauten Umgebung.

Vendedig in Wien IBevor der Prater von Joseph II. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, war er allein dem Jagdvergnügen des Adels vorbehalten. Nach der Öffnung 1766 ließen sich zahlreiche Kaffeehäuser und Amüsierbetriebe, die Vorläufer des heutigen Wurstelpraters, entlang der Praterwege nieder. In Zeiten, in denen Fernreisen für den überwiegenden Großteil der Bevölkerung nicht finanzierbar waren, bot der Wiener Prater zumindest die Illusion eines Auslandsaufenthalts. Im Mai 1895 eröffnete im Kaisergarten die Unterhaltungsstätte Venedig in Wien. Auf mehreren tausend Quadratmetern konnte man zwischen nachgebauten Palazzi umherschlendern und sich von echten venezianischen Gondolieri durch die Kanäle rudern lassen. Daneben lockten Marionettentheater, Cafés, Restaurants und musikalische Darbietungen die Besucher an. Selbst Postkarten mit venezianischen Motiven gab es zu erwerben, die den Schein, tatsächlich zu Gast in der Lagunenstadt gewesen zu sein, abrundeten. 1901 löste eine neue Attraktion das Wiener Venedig ab: auf dem Gelände einer ‚internationalen Stadt‘ konnte man durch japanische, spanische und ägyptische Straßen flanieren. Die Imagination der Reise basierte ebenso sehr auf der detailverliebten Kulisse wie auf der Fähigkeit der Besucher, sich auf die Täuschung einzulassen. Sofern es die eigene Vorstellungskraft erlaubte, konnte man sich mitten in Wien für einige Stunden als Weltreisender fühlen. Continue reading

„I’m Guybrush Threepwood, Mighty Pirate™!“

Wer kennt es nicht, da ist der Sommer, das Wetter schön, aber die Mitmenschen sind von dermaßen erdrückender Unerträglichkeit, dass an Rausgehen nicht zu denken ist. Der perfekte Zeitpunkt um in die schönsten Eremitentage der frühen Jugend abzuschweifen, zurückzukehren in die sorgenfreie PC-Spiel-Welt von Guybrush Threepwood und Laura Bow.

monkey island stumpAls 1987 Sandy von Dr. Fred Edison entführt wurde, um dem Wissenschaftler für fragwürdige Experimente zur Verfügung zu stehen, war für Sandys Freund Dave und seine Clique die Sache klar: wohl oder übel galt es in das Anwesen der Edisons einzudringen und Sandy zu befreien. Was sich erst einmal anhört, wie ein 80er Jahre B-Movie war seinerzeit der Durchbruch für das Computerspielgenre des Point&Click-Adventure. Einer Spielform, bei der die Spielfiguren mittels Maus und einfacher Befehle wie „Nehme“, „Benutze mit“, usw. Rätsel durch das Kombinieren von Gegenständen und durch die Interaktion mit der spieleigenen Umwelt lösten. In 2D tapsten die jeweiligen Alter Egos dabei durch mal mehr und mal weniger liebevoll gestaltete Pixeljungel, die mal einen Wald und mal ein Haus darstellen sollten.

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Die Idee ist gut doch die Welt noch nicht bereit

Wer in die Ferne sehen will, sollte den Flimmerkasten ausmachen und am besten gleich nach der Psychoanalyse mit der roten Fahne auf die Barrikaden klettern. Alles andere bleibt bis zum Ende der menschlichen Vorgeschichte nur narzisstische Spiegelung mit geringem Unterhaltungswert.

tv2Seit der Mensch das Fernsehen erschuf, war es stets umstritten, befeindet, der Dummmacherei denunziert und von vielen verschmäht. Hätte die Fernsehunterhaltung an sich nur den Anspruch zu unterhalten, all diesen Vorwürfen könnte mit Schulterzucken begegnet werden. Aber das Fernsehen beinhaltet dem Namen nach noch den Blick auf mehr, den Blick in die Ferne, an andere Orte, eventuell gar in eine bessere Welt. Leider scheint dieser Blick in die Ferne immer mehr der Vergangenheit anzugehören, einer Vergangenheit wo zur besten Sendezeit sogar geistreiche Diskussionsrunden über Utopie noch möglich waren, ohne dass dabei die Beteiligten nur intellektuelle Selbstbefriedigung betrieben oder das Publikum fleißig alles abnickte, was ihm unabhängig vom Topoi zur eigenen Erbauung herhielt. Das Fernsehen schien sich noch beim Namen zu nehmen als es Serien und Illusionen erschuf, welche unabhängig vom blödsinnigen Inhalt doch zum Abschweifen in die Ferne einluden, das Publikum kurzzeitig aus der Welt nehmen konnten, ohne es in der Stunde der Abwesenheit noch weiter mit der trüben Alltäglichkeit zu belästigen.
Es scheint so, dass die Menschen vor den Bildschirmen die Fähigkeit verloren haben sich auf derlei Betrachtungsobjekte einzulassen. Aber auch unabhängig vom Publikum scheint sich im Fernsehen eine Transformation hin zum Nahsehen zu vollziehen.
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