Category Archives: graveyard

Adieu, Genossin!

Begreifen, daß wir ein Entwurf sind – vielleicht, um verworfen, vielleicht, um wieder aufgegriffen zu werden. Das zu belachen ist menschenwürdig. Gezeichnet zeichnend. Auf ein Werk verwiesen, das offen bleibt, offen wie eine Wunde.
Was reden sie noch, was denken sie?
Wir wissen zuviel. Man wird uns für rasend halten. Unser unausrottbarer Glaube, der Mensch sei bestimmt, sich zu vervollkommen, der dem Geist aller Zeit strikt zuwiderläuft. Die Welt tut, was ihr am leichtesten fällt: Sie schweigt.
Das Licht hat sich verändert. Alle Gegenstände, sogar die Bäume, sind spitz, grell und scharf. Fern hören sie Stimmen, sie rufen nach Kleist. Die Kutsche nach Mainz soll abfahren. Die Günderrode bedeutet ihm, sich zu entfernen. Sie verabschiedet sich durch eine Handbewegung.
Jetzt wird es dunkel. Auf dem Fluß der letzte Schein.
Einfach weitergehen, denken sie.
Wir wissen, was kommt.

Kein Ort. Nirgends
Christa Wolf

Saturday Night in the City of the Dead

Sie tragen Schwarz, schauen finster drein und können einander nicht verstehen. Die Wiener Gothic-Szene ist vor allem eins: gespalten.

Alle paar Monate trifft sich die Wiener Gothic-Szene zum lokalen Großereignis, dem Schwarzen Reigen. Hier mischt sich eine Subkultur, die sonst über Wien verteilt und eigentlich alles andere als homogen ist. Zwar eint beim Reigen die Dominanz schwarzer Kleidung die Massen, aber man merkt schnell, dass hier verschiedene Welten aufeinanderprallen.
Kritisch beäugt ein älterer Herr mit Joy Division-Shirt einen auf der Tanzfläche herumalbernen Gasmaskenträger mit neongrüner Schweißerbrille. Eine viktorianisch gekleidete Dame stolziert mit gerümpfter Nase an Teenagern im Mangalook vorbei während ein weiterer Besucher damit kämpft seine Plastikvampirzähne mit einer Flasche Bier in Einklang zu bringen. Ja, es ist schon nicht leicht sich in der schwarzen Szene Wiens zurecht zu finden. Das einzige, das offensichtlich scheint, ist, dass hier etwas nicht recht zueinander passt.

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peaceful agony

In den 90ern und den frühen Jahren des 21. Jahrhunderts richtete sich die Aufmerksamkeit divereser Antifa-Rechercheteams auf die schwarze Szene. Insbesonders das Subgenre des Neo-Folk und eine gewisse englische Band hatte es den antifaschistischen Nachrichtendiensten angetan: Death in June.

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shotgun

An intelligent man is sometimes forced to be drunk
to spend time with his fools.

Ernest Hemingway

dead souls