Category Archives: austria

Killing Nazis

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Nichts zu feiern

Nachfolgend ein Aritkel des Genossen Michail Awakowitsch zum Wiener „Fest der Freude“.

Am 8. Mai wurde in Wien zum ersten mal ein „Fest der Freude“ anlässlich der militärischen Niederschlagung des Nationalsozialismus begangen. Ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie hierzulande mit zeitlicher Verzögerung die realpolitischen Erfolgsmodelle Deutschlands kopiert werden.

Während der 8. Mai in Wien traditionell eher als erweiterter Volkstrauertag angesehen wurde, kippte dieses Jahr die Staatsräson. Aus der Beschwörung des unschuldigen Österreichs, das schmerzlich seine Kinder vom deutschen Nationalsozialismus zu Grabe tragen ließ, wurde die Freude über die Besetzung durch die Alliierten und über die Niederschlagung der Armeeverbände des Nationalsozialismus am 8. Mai 1945. Die Schmach über die militärische Niederlage der eigenen Groß- und Urgroßelterngeneration und das Versagen der großdeutschen Träumerei spielen auf einmal keine Rolle mehr in der österreichischen Staatsräson. Sie erscheinen nun vielmehr als unnötiger Ballast denn als gesellschaftlich noch tragfähig.

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Wölfe im Winter

Wild heult der Wolf des nachts im Wald
und findet nichts zu beißen.
Doch ich geb ihm ’nen Hahnenkamm,
der soll ihm den Hals zerreißen.
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Das Wolfsrudel ist die ideale Gemeinschaft der Österreicher, es ist das Individuum verschlingende Racket, welches sich mit anderen zum Staat vereint, der ihre Mordbrennerei institutionalisiert.
Eine kleine Geschichte einer kollektiven Selbstverstümmelung.

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Fest pressen sich die österreichischen Steuerzahler im Winter der Ökonomie an den Wärme verheißenden Staat, immer in Angst um die eigene erbärmliche Existenz, die sie doch gerade durch derlei Nähe gänzlich auszulöschen drohen. Doch bleiben sie außerstande sich vom eisigen Bann der kollektiven Zurichtungsmaschinerie zu befreien, sind ihr vielmehr verbunden wie der alternde Wolf dem Wolfsrudel, welches ihn doch nur schindet und permanent mit Ausschluss oder Tod bedroht.
Schließlich ist solch Etatismus in Österreich hart erkämpft, egal ob Proletarier oder Bourgeois, man hat dem Platz im Wolfsrudel gewollt und auch mit dem eigenen Blut dafür gezahlt. Seit den Frühtagen der Bourgeoisie, den vorsichtigen Annäherungen der Monarchie an die Aufklärung, wählten die umherschweifenden Subjekte im Angesicht der kapitalistischen Kälte die Selbstzurichtung, die Angleichung der eigenen Temperatur an die der, vom Warentausch verkühlten, Außenwelt.
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wo ich war soll wir werden

Ein Gastbeitrag des Genossen Döhnermann über die Wiener Hasenfußfraktion der Neuen Rechten, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Unique.

„Wir wissen was wir sind und was wir nicht sind.“1

Sie versuchen mit einem Bumerang aus Dollfuß-Altbeständen postmoderner Beliebigkeit und kapitalistischer Globalisierung den Garaus zu machen. Die Identitären in Österreich wollen die neue rechte APO werden, wissen aber selber nicht so richtig wer sie sind.

wurstidentitätDass die verfügbaren Therapieangebote in Anbetracht der gesellschaftlichen Lage nie und nimmer ausreichen können, die Fragmentierten und Leidenden vor dem Wahnsinn ihrer täglich reproduzierten Hölle zu retten, ist weniger individuelle Erkenntnis als allgemeine Gewissheit. Wenn sich daher eine wackere Gruppe von Gutmenschen auf ihre Fahne schreibt, sich den „anerzogenen Neurosen“, „Entwurzelungspsychosen“ und „Ich-Schwächen“ der Menschen anzunehmen, bringt man ihr trotz dieses Begriffspotpourri erst einmal Interesse entgegen. Berufen sie sich dann auch noch auf die Psychoanalyse und sei dies bloß in den universitären Verfallsformen der Entwicklungspsychologie, daher auf Erik H. Erikson, meint man schon fast sich ungläubig die Augen reiben zu müssen. Doch dann geht der Blick weg vom Anspruch, gleitet auf den dazugehörigen Namen und hält kurz inne. Denn es kommt einem das abgedroschene Sprichwort in den Sinn, welches da besagt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Wie anders ließe sich vom Standpunkt der Psychoanalyse aus auf eine Namensgebung reagieren, wie sie in Die Identitären kulminiert und direkt aus dem Unbewussten zu springen scheint. Was muss ein Individuum ertragen haben, dass es seiner selbst so offenkundig unsicher ist, dass es nur mehr aus einer Beschwörung einer um ihrer selbst Willen bestehenden Gemeinschaft eben jene besagte Identität ziehen kann.

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keep calm and don’t carry on

Wien im Jänner, kalt ist es und nass. Ein einsamer Trotzkist schlurft langsam über den verlassenen Heldenplatz. Keine jubelnden Massen, keine alliierten Truppen in der Stadt, nur aus der Hofburg dringt leise Musik.

An schlechten Parties ist in Österreich wahrlich kein Mangel festzustellen, sei es die Dorfgaudi in einem heruntergewirtschafteten vorarlberger Gehöft oder eines dieser schrecklich peinlichen Wie-in-Berlin-Verschnitte in Wien, trotzdem scheint kein Ereignis die paar Linken in diesem Land so umzutreiben wie das organisierte Unvergnügen, dass als Ball des Wiener Korporationsrings, also Party jener Sekte blasser Studierender, welche zumeist in furchtbar trost- wie spasslosen Männer-WGs dahinvegetieren und nicht einmal zum Heben eines Bierkrugs alleine in der Lage zu sein scheinen, alljährlich zum Ringelpiez mit Anfassen lädt.

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Denkmalpflege, auf gut Deutsch gesagt

Graz/Leoben – Während der NS-Zeit waren die Industriegebiete der Obersteiermark Zentren des Widerstands gegen die Faschisten. So auch Leoben, wo sich vor allem Eisenbahner – unter anderem durch Sabotageakte – im Kampf gegen die Diktatur in Lebensgefahr brachten. Für zumindest 19 von ihnen ging dieser Kampf tödlich aus: Sie wurden zwischen 1942 und 1944 hingerichtet oder im Konzentrationslager ermordet. Ihnen zu Ehren wurde am Leobener Bahnhof 1950 eine Gedenktafel angebracht, die heute noch erhalten ist.
Mitte der 1970er-Jahre wurde auf Betreiben der Gewerkschaft der Eisenbahner und der ÖBB auch eine Skulptur für die getöteten Widerstandskämpfer auf dem Vorplatz des Bahnhofs enthüllt. Die sieben Meter hohe und elf Tonnen schwere Stahlskulptur vom oberösterreichischen Künstler Helmuth Gsöllpointner stellt die stilisierte Stiege des Steinbruchs im KZ Mauthausen dar und trägt die Namen der 19 Eisenbahner. Vor sechs Jahren wurde sie im Zuge des Umbaus des Bahnhofs restauriert und etwas abseits ans Murufer umgestellt.
Als der KZ-Verband Steiermark heuer am 1. November wie jedes Jahr einen Kranz am Denkmal niederlegen wollte, war das nicht möglich: Das Denkmal war weg – sang- und klanglos entfernt. Auf Nachfrage des Standard bei den ÖBB, was mit der doch nicht gerade dezenten Skulptur geschehen sei, sagte der ÖBB-Sprecher für die Steiermark: “Wir haben dort sehr schwierige Infrastrukturbedingungen, es war eine Sicherheitsgefährdung für Passanten.” Welcher Art? “Es hätte, auf Deutsch gesagt, jemanden erschlagen können”, so der ÖBB-Sprecher. Nun wolle man “Sanierungsmöglichkeiten sondieren”, so der Sprecher, man könne aber “nicht garantieren, dass die Skulptur wieder aufgestellt wird”.

via der standard