Category Archives: awayday

Und schreite ich sodann den Kahlenberg hinan

Das herbstliche Wandern bleibt eines der letzten Refugien der gemächlichen und ruhigen Ausflügler. Doch auch im tiefsten Wald lauert die Tristesse der Alltäglichkeit hinter jedem Baumstamm.

2Der Wanderer verlässt im Morgengrauen sein städtisches Heim und macht sich auf, der Stadt zu entfliehen. Während andere ihrem Tagewerk entgegen gehen, den Kopf mühsam auf die Schulter stützend, den Weg zur Lohnarbeit bestreiten, reist der Wanderer frohen Mutes dem Stadtrand entgegen. Er sieht die Arbeiter dem Bus entsteigen, den Malerlehrling leeren Blickes, betäubt vom Schlafe und dem Stumpfen dröhnen seiner Kopfhörer, auf die Straße sinken. Aber er selbst bleibt genügsam sitzen. Auch wenn sich bei den letzten Häusern der Stadt der Bus geleert hat, verharrt er noch stoischer Ruhe und mustert aufmerksam die vorbeifliegende Landschaft. Am Waldrand entsteigt er dem Gefährt, schlendert zwischen still schlummernden Villen dem Dunst der ersten Baumreihen entgegen und atmet die kalte, nasse Luft des Morgens.

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Stories from the cold, cold north.

Part I, Langweile am Bahnhof Sangerhausen.
Keilerei gesucht, doch Freunde gefunden.
Start : 4:35

Gagarin in Space

Oberhausen, immer eine Reise wert?

Am 8.8. ging es los, mit der Regionalbahn Richtung Oberhausen; wegen Egotronic zum Antifacamp (dem “antideutschen”, also dem, wo man die Bahamas käuflich erwerben kann). Irgendwo bei Düsseldorf angefangen zu trinken. Seitdem nicht mehr von der Flasche los gekommen, aber sind ja auch noch Ferien. Alternativ auch Symptomatische Phase.
Kaum in Oberhausen angelangt mit diversen Subkulturen des modernen Neonazis konfrontiert. Begeisterte Eingebung: Der Ruhrpott ist der Osten des Westens. Einen Augenblick später gemerkt: Egal. Mit mehr Becks eingedeckt, anschließend zum “Camp” (Leute schlafen ein paar Tage im Jugendzentrum oder in Zelten, machen Schwanz- bzw. Teli-Vergleiche und/oder Sexismusvorwürfe und legitimieren diese Art des szenetypischen Urlaubsersatzes mit einem täglichen Vortragsprogramm. Mit ein wenig Glück hören sogar mal ein paar zu oder jemand schafft es Sex im gemeinschaftlichen Schlafsaal zu bekommen. Bei letzterem muss aber erst noch das plakatierte Regelwerk beachtet werden, wehe wenn nicht…).
Auf dem Campgelände angekommen erstmal subkulturel gefütterten Smalltalk, dann weitertrinken. Ein Mitglied der Intifada Duisburg wird gesichtet. Der Mob setzt sich in Bewegung und geht mit gezücktem Pfefferspray ins Rennen. Irgendwer deeskaliert, anschließend trinkt man wieder zusammen. Antifakinder bilden einen Chor und krakeelen Busch-Hits und die Internationale. Leichte Übelkeit.
Dann: gewohnte Show von den sympathischen Jungs aus der Reichshauptstadt. Der ausgedünstete Schweiß des Publikums kondensiert an der Decke und regnet in Strömen wieder hinab. Ekstatische Zustände. Anschließend taucht eine junge Frau auf, die begeistert davon berichtet, wie sie ihr durch den herabtropfenden Schweiß verwaschenes Make-up von der musikalischen Leistung der Band überzeugte. Anflug von Ekel. Erstmal einen Korn, schwindel, warten auf den ersten Zug Richtung Norden.
Kurz vor der Abfahrt zweites Highlight voller Gewalt. Ein Junggesellenabend endet in einer Auseinandersetzung mit der anwesenden Antifajugend. Leider wieder keine Schlägerei. Der angehende Ehegatte probiert seine Freunde (7) zum Angriff zu motivieren, die Antifas (ca. 40) wanken zwischen Angst, Aggression und Verwirrung. Schließlich wird die Polizei gerufen. Nachdem diese sich mit mehreren Streifenwagen eingefunden hat, fragt der entnervte Herr Oberwachtmeister, ob man so etwas denn nicht alleine Regeln könne.
Anschließend Abgang.
Nächster Tag. 12 Stunden in der Bahn. Hinter Rostock steigt die Nazidichte sichtlich an. Abends dann Meer, Fleisch und Bier. Die folgende Woche setzt sich im Groben aus eben den genannten Dingen zusammen. Wobei Fleisch auch mal Fisch weichen muss. Berge (künstlerische Übertreibung) aus roten Kadavern zeugen von der Marienkäfer-Heimsuchung einige Wochen zuvor. Probiert viel am Strand zu lesen. Gescheitert.
Heimfahrt unspektakulär. 14 Stunden Zug, danach trinken.

Kommentare zu diesem Post sind hier zu finden.

„Köln war überschattet von zügelloser Gewalt“

„Die Führung der Kölner Polizei hat heute ihre Beamten in einer Auseinandersetzung mit gewaltbereiten Linksextremisten regelrecht verheizt und schließlich vor den roten Gewalttätern kapituliert.“1

Hätte der G8 Gipfel dieses Jahr wieder in Deutschland stattgefunden, hätte sich wohl niemand außer der Kölner Zivilgesellschaft und regionalen Antifas um den selbst ernannten Anti-Islamisierungskongress des rechtspopulistischen Rentnervereins Pro Köln2 gekümmert. Da man sich aber dieses Jahr dann doch lieber in Japan zu Sushi und Sake getroffen hatte, mussten sich die hiesigen Linken nach etwas anderem umsehen. Denn ein ganzes Jahr ohne Großspektakel und Revolutionssimulation hält auch der geduldigste Carhartt- oder Wursthaarträger nicht aus; und da man in Köln, dank übermotivierten Antifaschisten vor Ort, gute Grundbedingungen für ein wenig Action hatte und man das ganze bei den diversen Strömungen der deutschen Linken auch gut unter verschiedenen Aspekten – Antirassismus, Antinationalismus, Antiislamophobie, Antifaschismus – bewerben konnte, bot sich das dortige Treffen von rassistischen Vollspacken dann nur allzu gut an, um mal wieder ein bisschen Bewegung für die Bewegung zu machen.
So machte man sich dann am 19. September – nach zahlreichen Infotouren, Vorfeldaktionen und sonstigem Gedöns – auf nach Köln um mal wieder dem eigenen Aktivismus eine Existenzberechtigung zu verschaffen.
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nicht zynisch werden?!

Wir schreiben das Jahr 1945 christlicher Zeitrechnung, ganz Deutschland ist eine riesige Wagneroper. In apokalyptischer Geilheit versucht das deutsche Volk noch schnell seine Volksfeinde aus der Welt zu schaffen und fährt extra Spätschichten in den, allseits nicht bekannten, Vernichtungslagern. Ganz Deutschland fiebert dem großen Knall entgegen und Versucht auf verschiedene Art – sei es jetzt durch spontane Massenerschießungen von russischen Untermenschen oder durch die erhöhte Tätigkeit in den Todesfabriken – sich den Weg hin zum final Cumshot auf seine Art zu versüßen.
Ganz Deutschland?
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