sie sollen verschwinden

“Meine Kollegin Asli Erdogan wird in einem türkischen Gefängnis gefoltert. Sie wird sich nie wieder davon erholen, wenn sie es überhaupt überlebt. Sie wacht in einem See aus Urin in ihrem Bett auf. Der rechte Führer in Österreich scheint auch von Urin besessen zu sein, aber anders, in froher Erwartung sozusagen. Er propagiert Abschiebungen von abgewiesenen Asylanten mit Militärflugzeugen, wo sie sich “anurinieren” können, soviel sie wollen, es würde ihnen nichts nützen, sie müßten halt weg, irgendwie kriegen wir die schon raus, ganz sicher, versprechen wir der Bevölkerung, die nur darauf gewartet hat, daß sie einer für etwas Kleingeld versichert. Diese Entwürdigung scheint aus einer Besessenheit zu kommen, daß Menschen ins Vakuum eines Seins gesogen werden (a victim in a vacuum, nennt es Thomas Pynchon, was Besseres fällt mir nicht ein), in dem sie verschwinden sollen, egal, wie, sie werden vom Nichts ins Nichts gerissen, das ein selbsternannter, nein, ein gewählter rechter Parteiführer oder ein Diktator, ein zurecht gewählter, einer, den sie sich zurechtgewählt haben, erzeugt hat.”

Elfriede Jelinek – Für meine Kollegin Asli Erdogan

Comments are closed.