Adieu, Genossin!

Begreifen, daß wir ein Entwurf sind – vielleicht, um verworfen, vielleicht, um wieder aufgegriffen zu werden. Das zu belachen ist menschenwürdig. Gezeichnet zeichnend. Auf ein Werk verwiesen, das offen bleibt, offen wie eine Wunde.
Was reden sie noch, was denken sie?
Wir wissen zuviel. Man wird uns für rasend halten. Unser unausrottbarer Glaube, der Mensch sei bestimmt, sich zu vervollkommen, der dem Geist aller Zeit strikt zuwiderläuft. Die Welt tut, was ihr am leichtesten fällt: Sie schweigt.
Das Licht hat sich verändert. Alle Gegenstände, sogar die Bäume, sind spitz, grell und scharf. Fern hören sie Stimmen, sie rufen nach Kleist. Die Kutsche nach Mainz soll abfahren. Die Günderrode bedeutet ihm, sich zu entfernen. Sie verabschiedet sich durch eine Handbewegung.
Jetzt wird es dunkel. Auf dem Fluß der letzte Schein.
Einfach weitergehen, denken sie.
Wir wissen, was kommt.

Kein Ort. Nirgends
Christa Wolf

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