Denkmalpflege, auf gut Deutsch gesagt

Graz/Leoben – Während der NS-Zeit waren die Industriegebiete der Obersteiermark Zentren des Widerstands gegen die Faschisten. So auch Leoben, wo sich vor allem Eisenbahner – unter anderem durch Sabotageakte – im Kampf gegen die Diktatur in Lebensgefahr brachten. Für zumindest 19 von ihnen ging dieser Kampf tödlich aus: Sie wurden zwischen 1942 und 1944 hingerichtet oder im Konzentrationslager ermordet. Ihnen zu Ehren wurde am Leobener Bahnhof 1950 eine Gedenktafel angebracht, die heute noch erhalten ist.
Mitte der 1970er-Jahre wurde auf Betreiben der Gewerkschaft der Eisenbahner und der ÖBB auch eine Skulptur für die getöteten Widerstandskämpfer auf dem Vorplatz des Bahnhofs enthüllt. Die sieben Meter hohe und elf Tonnen schwere Stahlskulptur vom oberösterreichischen Künstler Helmuth Gsöllpointner stellt die stilisierte Stiege des Steinbruchs im KZ Mauthausen dar und trägt die Namen der 19 Eisenbahner. Vor sechs Jahren wurde sie im Zuge des Umbaus des Bahnhofs restauriert und etwas abseits ans Murufer umgestellt.
Als der KZ-Verband Steiermark heuer am 1. November wie jedes Jahr einen Kranz am Denkmal niederlegen wollte, war das nicht möglich: Das Denkmal war weg – sang- und klanglos entfernt. Auf Nachfrage des Standard bei den ÖBB, was mit der doch nicht gerade dezenten Skulptur geschehen sei, sagte der ÖBB-Sprecher für die Steiermark: “Wir haben dort sehr schwierige Infrastrukturbedingungen, es war eine Sicherheitsgefährdung für Passanten.” Welcher Art? “Es hätte, auf Deutsch gesagt, jemanden erschlagen können”, so der ÖBB-Sprecher. Nun wolle man “Sanierungsmöglichkeiten sondieren”, so der Sprecher, man könne aber “nicht garantieren, dass die Skulptur wieder aufgestellt wird”.

via der standard

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