Al-Quds-Tag in Wien

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=-hZVUWCTWvU%5D

Nachtrag:

Dazu ein Gastbeitrag von John D’Albiac, veröffentlicht in der Unique.

Von Teheran nach Wien

„Imam Ali ist unser Vorbild. Er zog sein Schwert gegen die Verschwörer. Es ist überliefert, dass er siebenhundert Juden an einem Tag tötete.“ – Chomeini zum 1. Al-Quds-Tag 1979.

Als Ruhollah Chomeini 1979 im Iran den letzten Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan zum internationalen Jerusalemtag bzw. Al-Quds-Tag erklärte, war seine Intention nicht bloß die „Befreiung“ Jerusalems von den „Zionisten“, sondern darüber hinaus auch damit einen Tag zu schaffen, an welchem sich unter der „Fahne des Islams“ die „Partei der Armen“ gegen den US-Imperialismus und „seinen Diener Israel“ erheben sollte.

Die „Partei der Armen“, mit welcher Chomeini niemand anderen meinte als die islamistische Terrororganisation Hezbollah, die Mullahdiktatur und den Al-Quds-Tag gibt es 32 Jahre nach der Islamischen Revolution immer noch. Auch der Hass auf Israel zählt nach wie vor zu den zentralen Punkten der islamistischen Ideologie sowie der ihrer europäischen ApologetInnen, daher scheint es nur folgerichtig, dass sich der Al-Quds-Tag mittlerweile auch in Europas Großstädten etabliert hat. So zählt neben London, Paris und Berlin auch Wien zu den Städten, in denen regimetreue ExiliranerInnen, HezbollahsympatisantInnen von Links- bis Rechtsaußen sowie diverese islamistische Splittergrüppchen sich zur gemeinsamen Demonstration die Hände reichen. Während in London oder Berlin die Vernichtungswünsche gegen Israel, aber – es handelt sich schließlich um eine mullahfreundliche Propagandaverstanstaltung – auch gegen die iranische Opposition offen artikuliert werden, fällt die Inszenierung in Wien etwas der landeseigenen Gemütlichkeit zum Opfer. So fanden sich zum diesjährigen Al-Quds-Tag 200 bis 300 IslamistInnen und FreundInnen des iranischen Regimes in der Wiener Innenstadt ein um ihrem Wunsch nach der „Rückeroberung“ Jerusalems eher in routinierter Langweile Ausdruck zu verleihen. Angeführt von einem aus Pappkartons gezimmerten Kindersarg in Palästinafarben zog die Demonstration vom Schwedenplatz zum Stephansdom, freilich schön geteilt in einen Frauen- sowie einen Männerblock. Neben Parolen wie „Zionismus ist Faschismus“ oder „Kindermörder Israel“ richtete sich die diesjährige Parade von Palästinenser- und Hezbollahfahnen auch gegen die Unterdrückung der Aufstände im Nahen Osten. Wer nun aber denkt, dass man sich hier mit der Bevölkerung in Syrien oder gar der des Irans zu solidarisieren suchte, lag weit daneben, vor allem Bahrain hatten sich die DemonstrantInnen zu Herzen genommen; schließlich erhoffte sich das Regime in Teheran von den Aufständischen dort eine Stärkung der eigenen Stellung gegenüber Saudi Arabien.
In derlei Positionierungen zeigt sich zum einen die enge Verknüpfung der Al-Quds-Demonstrationen zu der Realpolitk eines Regimes, welches seit Jahrzehnten den israelisch/palästinensischen Konflikt für die eigenen politischen Interessen ausnutzt und zum anderen die ideologische Verblendung sowie der antisemitische Hass, welcher die DemonstrantInnen antreibt und sie die Tatsache, dass in Syrien innerhalb der letzten Monate über 2500 Menschen durch das Iran-gestützte Baath-Regime ermordet wurden, geflissentlich übergehen lässt.
Es ist zu hoffen, dass sich, wie bereits in Berlin und London geschehen, auch in Wien zukünftig Widerstand gegen diese Manifestation der Menschenverachtung regen möge.

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