Fremdscham in Wien

Einer Gruppe von vielleicht 40-50 Antifaschist_innen gelang es am Weg zurück zur Uni durch Hinterhöfe und ein Restaurant zum Sammelpunkt der sicher über 150 Rechtsextremen vorzudringen. Dabei ist es beinahe zu einer Konfrontation gekommen, lediglich ein einzelner Polizist versuchte die beiden Gruppen zu trennen. Als sich allerdings einige rechtsextreme Schläger aufbauten und die Antifas zum Kampf aufforderten, drehten diese klugerweise um.

Endlich am Objekt der Begierde angelangt, weiß der Schwarze Block sich wieder mal nicht zu helfen und macht Wir kriegen euch alle rufend den U-Turn. Diese Stadt und ihre Linke: ein Trauerspiel, dass seinesgleichen sucht. Aber was will man auch noch von so einem Haufen erwarten. Anlässlich des 8. Mai waren sich die hiesigen Linken mal wieder für keinen Patzer zu schade.

Angefangen bei der als antideutsch verschrienen Basisgruppe Politikwissenschaften, welche mit ein paar Hanseln vor dem russischen Ehrenmal die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus feiert und sich wirklich nicht erblödet eine mit Davidstern geschmückte Regenbogenfahne – Stichwort: geile schwule Partystadt Tel Aviv bzw. geile Projektionsleistung – aufzuhängen. Also im Endeffekt – wie anscheinend seit 8 Jahren – nichts anderes probiert als die Österreicher doch endlich mal darauf zu bringen, dass es wichtig ist den 8. Mai ordentlich zu feiern, sei es um der eigenen Schuld oder der Unschuld der Nation willen. Dass man dabei eigentlich nichts anderes macht als “auf den Gräbern der Millionen Toten zu tanzen” wie ein Vertreter der IKG Wien ganz zu recht am Rande erwähnte, interessiert dabei nicht wirklich. Zeit für eine kleine Gedenkrunde findet sich zwischen US-Country und Nationalhymne XY schließlich immer. Man verstehe mich nicht falsch. Natürlich kann und sollte man sich darüber freuen, dass die Alliierten Deutschland und Österreich 1945 platt gemacht haben. Super Sache das und auch wesentlich besser als den Tag zu feiern, an dem der letzte Alliierte Soldat das Land verlassen hat. Aber wo waren denn bitte die sogenannten Wiener Antideutschen die letzten Jahre? In Deutschland ist der 8. Mai schon etwas länger kein Trauertag mehr, dem neuen Softice-Nationalismus sei dank und auch in Österreich zeichnet sich doch zumindest bei der Mehrheit des politischen Establishment ab, dass am 8. Mai durchaus gefeiert werden kann. Gerade der gestrige Tag war dafür ein Paradebeispiel und wären die hiesigen Linksradikalen und Queer-Antideutschen nicht so sehr damit beschäftigt sich in monotoner Selbstbestätigung zu üben, sie hätten es wohl wissen können. Sei es anhand Grüner Politiker, die vor der Hofburg mit Sekt auf den 8. Mai anstoßen oder anhand der unbestreitbaren Tatsache, dass was in Deutschland passiert ein paar Jahre später auch in Wien ankommt… Aber zum besseren Verständnis muss das Ganze noch mal ein wenig zurückgedreht werden. Die Ausgangssituation gestern gestaltete sich wie folgt: Die ollen Kameraden vom Wiener Korporationsring (WKR) hatten zum alljährlichen Totengedenken am 8. Mai gerufen. Das heißt soviel wie mit Fackeln auf der ex-Wienhomezone von A. Hitler – Heldenplatz – auflaufen und den toten Kameraden von einst – SS, Wehrmacht, BDM-Pinups – gedenken. Degen in die Höh und heulen. Zum ersten mal seit 2004 hatte die FPÖ-Galionspuppe Strache ihr Erscheinen angekündigt, was die ganze Geschichte natürlich gleich noch mal ein wenig polarisierte. (Zur Erinnerung: die post-NS Truppe liegt momentan bei österreichweiten Umfragen bei 25%.) Zwar hat Strache sich dann im Endeffekt doch noch vor dem ganzen Theater gedrückt und irgendwas von einem dringenden Auslandstermin verkünden lassen, wegen dem er leider nicht erscheinen könne, aber das nach Rechtsaußen gegebene Zeichen war klar und unmissverständlich. FPÖ da geht noch was, Israelbesuch und Anbandlung mit irgendwelchen pseudoliberalen Hampelmännern hin oder her. Gegen das Rumgeopfer der Burschenschaftler und ihrer Kumpels von alpen-donau.info (klassische NeoNazi-Deppen um das Wiener Urgestein Gottfried Küssel) hatte sich dann auch eine recht illustre Runde zusammengefunden. So versammelten sich am späten Nachmittag neben den diversen Unilinken, queerradikalen Plüschantifas mit rosa Sambagruppe und den anderen Verirrungen der autonomen Linken Wiens auch die israelsolidarische Ums Ganze Antifa [w] und die antisemitischen Sektierer von Linkswende (in Deutschland einst unter dem Namen Linksruck geliebt und geschlagen bzw. leider auch ab und an umgekehrt) zum gemeinsamen Protest. War natürlich schon immer so eine fragwürdige Geschichte mit Volksfrontbündnissen, aber bei einer so unrelevanten und übersichtlichen Linken, wie sie in Wien nun mal ihr trostloses Dasein fristet, hätte man sich, würde einem denn wirklich etwas am Kampf gegen Antisemitismus liegen, das Bündnis mit den posttroztkistischen Israelhassern getrost sparen können. Aber geschenkt, gegen Neonazis geht ja bekanntlich jeder Scheiß. Man lief gewohnt kämpferisch die paar Meter von der Uni zum Heldenplatz und schien auch nicht weiter verwundert, dass ein Vordringen auf eben diesen von der Polizei gestattet wurde. Ein Schelm wer vermutet, dass hier SPÖ und Grüne – momentan regierende Koalition in Wien – ein wenig die Konkurrenz ärgern wollten. Und tatsächlich durften die Gegendemonstranten vor der Hofburg verweilen und in Wurfweite der karnevalesken Trauergemeinde das ewig dämliche Nazis raus skandieren. Wie man es bei so offensichtlicher Duldung des eigenen Protests durch Stadt und Polizei noch fertig bringt, das Ganze als Sieg wider Österreich zu verkaufen, bleibt fast schon bewundernswert. Aber das ist halt die Wiener Linke, da brüstet man sich sogar noch damit, dass man klugerweise vor den paar Burschis, die sich zur Gegenwehr aufgerappelt haben, laufen geht.

2 responses to “Fremdscham in Wien

  1. same shit, different town.
    komm mal mit dem wiener bus zur innenministerkonferenz in ffm am 20.6., da kann man den wahnsinn mit ein paar bier und ein paar kurzen begießen!

  2. guter plan, wenn die kids mich mitfahren lassen bin ich dabei…

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