Deutsche Probleme

Die erste amtliche Benennung des neuen Lagers, K.L. Ettersberg, sollte dennoch einigen Staub aufwirbeln. In einem Brief an Himmler vom 24. Juli 1937 berichtete Theodor Eicke, daß der nationalsozialistische Kulturbund von Weimar gegen diese Benennung protestierte, “denn der Name Ettersberg sei eng verbunden mit Goethes Leben und Werk” und dessen Verleihung an ein Umerziehungslager, wo sich der Abschaum der Menschheit versammeln werde, könne nur die Erinnerung an den Dichter beschmutzen.
Aber es sei auch nicht mehr möglich, sagte Eicke, dem Lager den Namen des nächsten Dorfes, Hottelstedt, zu geben, denn dann hätte die SS-Garnison einen beträchtlichen materiellen Nachteil, weil in diesem Fall ihr Quartiergeld nach den Lebenskosten von Hottelstedt berechnet würde – so lautete tatsächlich die Vorschrift – , während der eines SS-Mannes würdige Lebensstandard eher die Berücksichtigung der in Weimar, einer verhältnismäßig teuren Stadt, üblichen Preise erfordere. Aus diesem Grunde schlug Eicke die Benennung K.L. Hochwald vor.
Vier Tage danach entschied Himmler, daß das Lager K.L. Buchenwald/Weimar heißen sollte. So werde das kulturelle Gewissen der Bevölkerung in dieser Gegend nicht verletzt und die SS-Soldaten könnten das ihrer gesellschaftlichen Stellung angemessene Quartiergeld beziehen.

Jorge Semprun in Was für ein schöner Sonntag!

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