Die japanische R.A.F. und Gaddafi

Japan Anfang der 70er. Nachdem es bei den Auseinandersetzungen zwischen der linken Studentenbewegung und Polizeistreitkräften zu mehreren Toten gekommen war, hatte der japanische Staat reagiert und die ohnehin schon in Zersplitterung und Auflösung begriffene Bewegung in die Enge getrieben.
Die wohl wichtigste linksterroristische Gruppe, die aus dieser Krisensituation der japanischen Linken hervorging, war die japanische Rote Armee Fraktion. Aus dieser entstanden 1971 die Vereinigte Rote Armee (VRA) sowie die Japanische Rote Armee (JRA). Während die VRA den revolutionären Kampf innerhalb Japans austragen wollte, verfolgte die JRA eine internationale Herangehensweise, die sich im Folgenden vor allem durch eine intensive Zusammenarbeit mit der PFLP und dem libyschen Regime auszeichnen sollte.

Die knapp 30 Kämpfer der Vereinigten Roten Armee zogen sich im Zuge der staatlichen Repressionen im Winter 1971/72 in die Berge der zentraljapanischen Gumma Präfektur zurück. Hier errichteten sie ein paramilitärisches Trainingslager, in welchem neben der Kriegsführung vor allem die nötige revolutionäre Disziplin und Selbstreinigung geübt werden sollte. So wurde über den Winter hinweg im Kleinen und Extremen das vollzogen, was man sich bei der chinesischen Kulturrevolution und den stalinistischen Schauprozessen abgeschaut hatte. In einem Akt apokalyptischer Katharsis brachten es die Anhänger der VRA fertig in weniger als vier Monaten 12 ihrer Mitstreiter aus Gründen mangelnder revolutionärer Gesinnung, schlecht geputzter Waffen und sittenwidrigem Verhalten – was auch schon mal schminken oder der flüchtige Austausch eines Kusses sein konnte – dahin zu metzeln bzw. sie angekettet dem frostigen Wetter der Berge zu überlassen. Nach diesem Akt der Befreiung vom Feind in den eigenen Reihen konnte die VRA allerdings nicht mehr zur Tat schreiten, im Februar 1972 gelang es der japanischen Staatsmacht alle verbliebenen Revolutionäre einzufangen und so schlimmeres zu verhindern.
Die Japanische Rote Armee hatte derweilen, unter der Führung von Shigenobu Fusako, die wohl nicht von ungefähr an die Konkret-Terroristin Ulrike Meinhof erinnerte, u.a. Lager in Libyen und Nordkorea aufgeschlagen. Aber auch bei diesem Abfallprodukt der japanischen Studentenbewegung scheinen die Übergänge zur Ideologie des islamischen Djihad, genauso wie beim internen Tugendterror der VRA, fließend. So führte ein Kommando der JRA, unter der Führung von Shigenobus Ehemann, am 30. Mai 1972 einen, als Selbstmordattentat konzipierten, Anschlag auf dem Flughafen Lod von Tel Aviv durch. Dabei ging es dem JRA-Kommando vor allem um eins: aus Solidarität mit den Palästinensern so viele Juden wie möglich mit in den Tod zu reißen. Dieser antisemitischen Raserei fielen 26 Menschen zum Opfer.
Das Ansehen der JRA in der arabischen Welt stieg im Zuge des Anschlages enorm. Kinder wurden nach den „Märtyrern“ der JRA benannt und als die überlebenden Terroristen des Kommandos mitte der 80er im Zuge eines Gefangenenaustausch frei kamen wurden sie in Libyen als Helden empfangen.
Die JRA setzte ihre terroristischen Aktivitäten während der 70er und 80er Jahre fort und arbeitete dabei u.a. mit der terroristischen Popikone Carlos zusammen.
1986, nachdem die USA bei der Operation El Dorado Canyo militärisch gegen Libyen vorgegangen war, wandte sich Gaddafi an Shigenobu um mit ihrer Hilfe indirekt gegen die USA ins Feld zu ziehen. Shigenobu und ihre JRA-Mitstreiter verübten daraufhin, unter dem Label Anti-Imperialistische Internationale Brigaden, mehrere Anschläge gegen diplomatische Einrichtungen der USA und waren vermutlich auch an der Ermordung von drei britischen Staatsbürgern in Libyen beteiligt.
Ende der 80er stellte die JRA/AIIB ihre Aktivitäten ein und ihre Mitglieder suchten Zuflucht in verschiedenen arabischen Ländern sowie Nordkorea.
In einer Erklärung aus dem Jahre 2001 gab, die mittlerweile in Haft sitzende, Shigenobu die Auflösung der JRA bekannt. Das Massaker im Flughafen Lob hält sie weiterhin für legitim.

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Hier findet sich eine Pro-Seminararbeit zum japanischen Linksterrorismus, die einen ganz guten Überblick verschafft.

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