Oberhausen, immer eine Reise wert?

Am 8.8. ging es los, mit der Regionalbahn Richtung Oberhausen; wegen Egotronic zum Antifacamp (dem “antideutschen”, also dem, wo man die Bahamas käuflich erwerben kann). Irgendwo bei Düsseldorf angefangen zu trinken. Seitdem nicht mehr von der Flasche los gekommen, aber sind ja auch noch Ferien. Alternativ auch Symptomatische Phase.
Kaum in Oberhausen angelangt mit diversen Subkulturen des modernen Neonazis konfrontiert. Begeisterte Eingebung: Der Ruhrpott ist der Osten des Westens. Einen Augenblick später gemerkt: Egal. Mit mehr Becks eingedeckt, anschließend zum “Camp” (Leute schlafen ein paar Tage im Jugendzentrum oder in Zelten, machen Schwanz- bzw. Teli-Vergleiche und/oder Sexismusvorwürfe und legitimieren diese Art des szenetypischen Urlaubsersatzes mit einem täglichen Vortragsprogramm. Mit ein wenig Glück hören sogar mal ein paar zu oder jemand schafft es Sex im gemeinschaftlichen Schlafsaal zu bekommen. Bei letzterem muss aber erst noch das plakatierte Regelwerk beachtet werden, wehe wenn nicht…).
Auf dem Campgelände angekommen erstmal subkulturel gefütterten Smalltalk, dann weitertrinken. Ein Mitglied der Intifada Duisburg wird gesichtet. Der Mob setzt sich in Bewegung und geht mit gezücktem Pfefferspray ins Rennen. Irgendwer deeskaliert, anschließend trinkt man wieder zusammen. Antifakinder bilden einen Chor und krakeelen Busch-Hits und die Internationale. Leichte Übelkeit.
Dann: gewohnte Show von den sympathischen Jungs aus der Reichshauptstadt. Der ausgedünstete Schweiß des Publikums kondensiert an der Decke und regnet in Strömen wieder hinab. Ekstatische Zustände. Anschließend taucht eine junge Frau auf, die begeistert davon berichtet, wie sie ihr durch den herabtropfenden Schweiß verwaschenes Make-up von der musikalischen Leistung der Band überzeugte. Anflug von Ekel. Erstmal einen Korn, schwindel, warten auf den ersten Zug Richtung Norden.
Kurz vor der Abfahrt zweites Highlight voller Gewalt. Ein Junggesellenabend endet in einer Auseinandersetzung mit der anwesenden Antifajugend. Leider wieder keine Schlägerei. Der angehende Ehegatte probiert seine Freunde (7) zum Angriff zu motivieren, die Antifas (ca. 40) wanken zwischen Angst, Aggression und Verwirrung. Schließlich wird die Polizei gerufen. Nachdem diese sich mit mehreren Streifenwagen eingefunden hat, fragt der entnervte Herr Oberwachtmeister, ob man so etwas denn nicht alleine Regeln könne.
Anschließend Abgang.
Nächster Tag. 12 Stunden in der Bahn. Hinter Rostock steigt die Nazidichte sichtlich an. Abends dann Meer, Fleisch und Bier. Die folgende Woche setzt sich im Groben aus eben den genannten Dingen zusammen. Wobei Fleisch auch mal Fisch weichen muss. Berge (künstlerische Übertreibung) aus roten Kadavern zeugen von der Marienkäfer-Heimsuchung einige Wochen zuvor. Probiert viel am Strand zu lesen. Gescheitert.
Heimfahrt unspektakulär. 14 Stunden Zug, danach trinken.

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