“Wir geben der Arabischen Welt ein Gesicht”

Auf Wunsch von Beniguma (Rest in Peace) hier mal ein Veranstaltungstip. Am 1. Dezember 2007 wird in Mainz das AIESEC-Mainz Forum stattfinden.

Ein Forum mit international hochkarätigen Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft soll einen Tag lang durch Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen über die Arabische Welt aufklären, Vorurteile abbauen, Wissen erweitern und Neugierde wecken.

Neben dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Musa (welcher vom ägyptischen Schlagesänger Shaaban Abdel Rahim mit der Zeile “Ich hasse Israel und ich liebe Amr Musa” besungen wurde), Kurt Beck und Rania Al–Abdullah (“Prinzessin Diana des Nahen Ostens”) wird sich auch Udo Steinbach bemühen Neugier zu wecken und Vorurteile abzubauen.
Herr Steinbach – Islamwissenschaftler und Leiter des Instituts für Nahoststudien – hatte sich 2003 schon einmal recht erfolgreich im Abbauen von Vorurteilen geübt:

Wir müssen dann auch einmal darüber nachdenken, was wir als Terrorismus bezeichnen wollen. Wenn wir sehen, wie israelische Panzer durch palästinensische Dörfer fahren und sich die verzweifelten Menschen mit Steinen wehren, dann müssen wir im Blick auf Warschau und im Blick auf den Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto auch fragen dürfen, war das nicht auch Terror?

Freilich war das kein Antisemitismus sondern von den Kritikern nur grob aus dem Zusammenhang gerissen. (siehe auch Antisemitismus als Massenansatz und Blauäugig oder Einäugig)
Bei solcher Prominenz kann man sich schon einiges von diesem Forum der (Anti-)Aufklärung und Völkerkunde versprechen.
Leider ist es mir, in Ermangelung eines Scanners, nicht möglich die von Beniguma gereichten Flyer (bestechend durch ein Design aus Verherrlichung der Frauenunterdrückung und einem ordentlichen Schuss positiven Rassismus) hier zu posten. Werde aber versuchen dies bei Gelegenheit nachzuholen.

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Es ist nun zwar schon über zwei Wochen her aber hier dann doch noch ein Nachtrag zum Mainzer Aiesec-Forum der es irgendwie nicht wirklich zum Abgabetermin des lokalen Zentralorgans geschafft hat…

Völkerverständigung auf Mainzer Art

Am 1. Dezember fand an der Mainzer Universität das 2. Aiesec-Mainz Forum statt. Es wird im folgenden weniger um die Veranstaltung an sich gehen sondern eher um das was die Oranisatoren, sei es nun bewusst oder unbewusst, da für eine reaktionäre Inszenierung auf die Beine gestellt haben.
Aiesec ist ein internationaler Studentenorganisation deren Zielsetzung die Ausbildung „verantwortungsbewussten jungen Führungspersönlichkeiten“ ist welche positiv auf die gesellschaftliche Entwicklung einwirken sollen. Man bezeichnet sich selbst als international größte Studentenorganisation und unterhält in ca. 100 Ländern so genannte Lokalkomitees die sich neben Aiesec-interner Vernetzungsarbeit auch durch diverse Veranstaltungen hervortun. Das Aiesec Komitee Mainz/Wiesbaden lud unter dem Motto „Bridging the Gap between Arab and Western Wolrds“ zum zweiten lokalen Aiesec-Forum auf den Mainzer Campus.
Man wollte damit eine Brücke schlagen zwischen der westlichen und arabischen Welt, ankämpfen gegen die Vorurteile welche sich nach dem Massenmord vom 11. September 2001 verbreitet hätten. Zeigen, dass die arabische Welt keine Welt des Islamismus und Terrorismus ist. Man wollte der arabischen Welt ihr wahres Gesicht wiedergeben und aufzeigen, dass man selbst doch gar nicht so verschieden ist mit seinen Brüdern und Schwestern in Kairo oder Gaza. Das letzte ist den Damen und Herren von Aiesec wahrlich – wenn wahrscheinlich auch unfreiwillig – mehr gelungen als ihnen lieb sein kann.
Nachdem man bereits in der Ankündigung zum Forum ausgiebig über sämtliche reaktionäre Tendenzen in der arabischen Welt geschwiegen hatte und es nicht für nötig gehalten hatte nur ein Wort über Homophobie, die zunehmende Islamisierung der arabischen Gesellschaft oder gar die massive Verbreitung von Antisemitismus zu verlieren bewarb man das Aiesec-Forum mit Flyern auf denen, in bester Rassen- bzw. Völkerschaumanier, das Klischeebild eines Arabers und einer verschleierten Frau zu sehen war. Das ganze wurde noch garniert mit dem Slogan „Wir geben der arabischen Welt ein Gesicht“. Auf Hochglanzpapier hatten hier die Mainzer Aiesec-StudentInnen bereits eindrücklich gezeigt worum es ihnen bei besagtem Forum unter andern gehen sollte. Die Art und Weise mit der hier Verschleierung und der klischeehafte Abklatsch eines arabischen Mannes präsentiert wurden erinnerte nicht von ungefähr an das Werbeprospekt eines Reiseanbieters. Auf den Flyern ist kein Hauch von Hinterfragung der abgebildeten Klischees zu sehen, stattdessen wird die Verschleierung, welche in vielen arabischen Ländern unter Zwang und unter der Androhung drakonischer Strafen daherkommt, als arabischer Lifestyle präsentiert.
Da mag es dann auch nicht verwundern was für Gestalten man sich als Redner auf das Forums-Podium holte. So hielt etwa Udo Steinbach einen Vortrag über „Das andere Arabien. Politik und Geistesleben zwischen Modernisierung und Selbstbehauptung“. Steinbach ist nicht bloß Direktor des GIGA Institut für Nahost-Studien in Hamburg sondern auch ein waschechter Antisemit. 2003 hatte er, damals noch als Leiter des Deutschen Orient-Institutes zu Hamburg, den Fehler gemacht sich als solcher zu outen. Bei einem Vortrag über islamistischen Terrorismus und die Situation im Nahen Osten brach es aus ihm hervor: „Wir müssen dann auch einmal darüber nachdenken, was wir als Terrorismus bezeichnen wollen. Wenn wir sehen, wie israelische Panzer durch palästinensische Dörfer fahren und sich die verzweifelten Menschen mit Steinen wehren, dann müssen wir im Blick auf Warschau und im Blick auf den Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto auch fragen dürfen, war das nicht auch Terror?“
Wieder einmal hatte da ein Deutscher ausgesprochen was so viele denken. In besten antisemitischen Jargon hatte er in den Juden die neuen Nazis ausgemacht.
Neben Seinbach waren unter anderen noch die Journalistin Julia Gerlach und der Mainzer Geographieprofessor Anton Escher als RednerIn vertreten. Alle drei haben kein Problem damit der islamistischen und antisemitischen „Islamischen Zeitung“ Interviews zu geben. Der Chefredakteur jener „Islamischen Zeitung“, der Konvertite Abu Bakr Rieger, hat zwar seit den neunzigern – als er noch kein Problem damit hatte öffentlich Weisheiten der Art „Wie die Türken haben auch wir Deutsche in der Geschichte schon oft für eine gute Sache gekämpft, obwohl ich zugeben muss, dass meine Großväter bei unserem gemeinsamen Hauptfeind nicht ganz gründlich waren…“ zu verbreiten – seine antisemitischen Äußerungen etwas gezügelt entblödet sich aber auch heute nicht zu behaupten, dass Islam und Antisemitismus einen fundamentalen Widerspruch darstellten würden.
Das mit der „Islamischen Zeitung“ personell verbundene „Weimar Institut“ hat übrigens vor einigen Jahren Goethe per Fatwa zum Moslem erkoren, er heißt laut ihnen nun Muhammad Johann Wolfgang von Goethe.
Das Udo Steinbach kein Problem hat einer solchen Zeitung Interviews zu geben scheint nicht sonderlich verwunderlich, dass es Frau Gerlach oder Prof. Escher aber auch tun könnte einen erst einmal schon wundern. Andererseits ist ja gerade das der Schulterschluss den das Aiesec-Forum sucht. Man redet von den Gemeinsamkeiten die man in Deutschland mit den Menschen in der arabischen Welt hätte und findet sie dann auch, durch das eigene Schweigen über sie. Man macht sich mit seinem islamophilen Spektakel daran das Bündnis zu festigen welches doch schon längst Europa mit den erstarkenden islamischen Rackets in den arabischen Ländern eint. Man schweigt daher natürlich über den arabischen Antisemitismus, genau wie man darüber geschwiegen hat, dass der „Großmufti von Jerusalem“ el-Husseini in den dreißiger und vierziger Jahren mit Hilfe der Deutschen die Ausrottung der Jüdinnen und Juden auch im Nahen Osten in die Tat umsetzten wollte. Man Schweigt über die Unterdrückung der Homosexuellen und jener Frauen die auch etwas vom schönen Leben wollen oder welche sich gegen ihre Peiniger zu Wehr setzen genau sowie man über die Verfolgung progressiver Kräfte schweigt. Man schweigt und versucht die elende Wahrheit unter den Tisch fallen zu lassen gerade weil man der arabischen Welt nur allzu gerne das Gesicht einer reinen, völkischen und unter der Umma geeinten Gesellschaft geben will.

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