Landantifa since 1992

Im folgenden werde ich eine kleine Expedition in die Rheinland-Pfälzische Provinz antreten. Dies ist dann wohl der Beginn einer Reihe von Ausflügen in die Wohnzimmer diverser Antifagruppen. Mal schauen was es da noch alles spannendes zu entdecken gibt… Teil 1 – Landantifa since 1992

Südlich von Mainz – einer der drei Hochburgen des organisierten und in Bahnen gelenkten Wahnsinns (umgangssprachlich Fastnacht) – eingepfercht zwischen sich entblätternden Weinbergen und dem langsam dahin fließenden Rhein, liegt das 7000 Seelen Dorf Nierstein. Hier, inmitten von bereits in den Morgenstunden schwer alkoholisierten Winzern, ländlichen Inzuchtprodukten und diversen anderen zerstörten Existenzen befindet sich die Zentrale der Antifa Nierstein. Genau genommen befindet sie sich am Pestalozziplatz 1. Seit ihrer Gründung im Jahre 1992 arbeiten hier einige wackere AntifaschistInnen an der Errichtung linker Strukturen im deutschen Hinterland. Nachdem der rassistische Volksmob im August 1992 die deutsche Flüchtlingspolitik in Rostock-Lichtenhagen vorangetrieben hatte, sahen die Aktivisten der Antifa Nierstein die Zeit gekommen, den Antifaschismus auf das platte Land zu tragen, um Klaus und Gertrude gegen die faschistische Bedrohung zu wappnen.

Man war sich dabei durchaus bewusst darüber, dass bei Viehzucht und Weinlese eine andere Aktionsform antifaschistischer Politik gefragt ist, “denn Maßstäbe linker Politik, die in den Städten Geltung haben, sind kaum auf ländliche Strukturen zu übertragen.” Daher beschlossen unsere beherzten Streiter gegen Faschismus und Kapital, dass die Bündnisarbeit auf dem Lande einen besonderen Stellenwert genießt und deshalb die Zusammenarbeit mit “bürgerlichen-progressiven Gruppen” wie den Grünen oder der SPD unverzichtbar sei. Das, seit der Gründung der Antifa Nierstein, immer wieder gerne gesuchte Bündnis mit Parteien und Verbänden beschränkt sich aber nicht bloß auf die antifaschistische Praxis, auch theoretisch geht man des öfteren mal Hand in Hand. Etwa wenn man in einem Aufruf anlässlich eines deutschen Friedensmarsches 2004 den Angriffskrieg des U.S.-Imperialismus treffend analysiert:

Die Bundesregierung hat sich zwar wegen andersgelagerter Interessen verbal vom Irakkrieg distanziert, ihn aber faktisch unterstützt. Sie stellt ihr Territorium zur Verfügung, die Bundeswehr bewacht US-Militäreinrichtungen und entlastet die USA zur See und in Afghanistan. Die weltweiten Proteste haben den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak nicht verhindern können. Die Warnungen und Argumente der Friedensbewegung haben sich bestätigt. Die vorgeschobenen Kriegsgründe haben sich als dreiste Lügen erwiesen. Massenvernichtungswaffen gab es im Irak nicht, der angebliche Kampf gegen den Terror hat diesen erst recht heraufbeschworen. Um das nachträglich erfundene Kriegsziel “Demokratisierung” zu erreichen, sind Krieg, demütigende Schikanen, Schüsse auf die Zivilbevölkerung und die Ausplünderung des Irak durch US-Konzerne ungeeignet – ganz abgesehen davon, dass es völkerrechtswidrig ist, einen anderen Staat anzugreifen, um dort das Regierungssystem zu ändern. Die USA haben diesen illegalen Angriffskrieg aus wirtschaftlichen und strategischen Interessen sowie aus ideologischer Verblendung geführt – ein gefährlicher Präzedenzfall.

In Nierstein weiß man halt wie der Hase tanzt bzw. der Yankee denkt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass neben der sagenumwobenen Antifaschistischen Linken Berlin die Antikapitalisten und Sozialrevolutionäre der Widerstandsgruppe Worms-Wonnegau zu den besten Freunden der Antifa Nierstein zählen. Diese haben sich in der Vergangenheit nicht nur durch antisemitische revolutionäre Aktionen gegen Geldautomaten ausgezeichnet, sondern glänzten erst vor kurzem durch die furchtbar progressive Vernichtung von Banknoten. Bei solchen Freunden ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass man im Hause der Antifa Nierstein nicht allzu viel von den so genannten Antideutschen hält. So kündigte man etwa der Phase 2 nachdem diese zum Opfer einer feindlichen Übernahme durch Berliner und Leipziger Antideutsche wurde:

Liebe GenossInnen, Hallo Antideutsche, Liebe LeserInnen und Leser der Phase, von Anfang an haben wir die AA/BO solidarisch begleitet und selbstverständlicherweise auch die Phase 2 abonniert. Leider ist der Anspruch, eng an der Praxis orientiert zu schreiben, schon bald verloren gegangen. Die ersten paar Ausgaben der Phase 2 waren auf unserem Büchertisch immer schnell vergriffen, Artikel wurden diskutiert, rauskopiert und es wurde sogar vehement für dieses Zeitungsprojekt geworben. Diese Zeiten sind seit der Israel-Nummer vorbei, die Phase 2 meist Ladenhüter und wir haben einige neuwertige Exemplare (7) zurückgeschickt. Zudem nehmen viele von uns Euer Layout als genauso vielseitig und kreativ wahr, wie ca. 80 Prozent des Inhaltes. Zunehmend jedoch verschärft sich das unsolidarische Verhältnis in den Artikeln der Berliner und Leipziger Redaktion zu den aktionistischen Linken. Gerade aus Leipzig finden wir das doch sehr schade, haben wir doch […] zusammen mit dem Bündnis gegen Rechts nicht unerheblich zusammengearbeitet. Schließlich haben wir die Wurzendemo, die Saalfelddemo, die .Save The Resistance.-Demo oder den 1. Mai 1998 vehement – als eine der wenigen Gruppen im Westen – von Anfang an unterstützt, und konstruktiv mitgetragen. Eine Fortsetzung und Weiterentwicklung dieser Praxis scheint aus Leipzig nicht mehr gewünscht zu sein. Stattdessen nehmen wir Sektierertum und Spaltungsbestrebungen wahr. Spätestens mit der Stossrichtung der aktuellen Ausgabe [Phase 2.11 mit ihrem Europaschwerpunkt, die Red.] erklärt Ihr Euch zu unsolidarischen Kritikern der undogmatischen und internationalistischen neuen Linken. Heute drängst sich uns die Befürchtung auf, das die . zu den Organen gehört, deren Nichterscheinen wir nicht mehr bedauern würden. Selbstkritisch müssen wir jedoch anmerken, dass wir das Konzept der Phase 2, eine Plattform für den Diskussionsprozess zwischen aktiven Gruppen zu gestalten – trotz Versuchen und Anfängen – leider nur theoretisch mitgetragen haben. Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit antideutschen Positionen möchten wir auf die Grundsatzposition des Antifaschistischen Infoblatts verweisen, deren Erklärung wir unterstützen und auf unsere Startseite übernommen haben. Verhindern wir die feindlichen Übernahmen linker Zeitungsprojekte! Antinational statt Antideutsch! AntiFa Nierstein

Ja, man ist Konsequent in Nierstein, und damit die jungen Leute nicht doch noch in den Armen der reaktionären Schweine landen, widmet man sich, als selbst ernannte „Landantifa“, besonders der Jugend. In einem eigens an sie gerichteten Text wird dann auch speziell auf die Probleme der pubertierenden Kids eingegangen. Lehrstellenmangel, Ozonloch, Sozialkürzungen, Massenabschiebungen und Neonazis, all das ist uns nicht egal. Und Dir? All das sind aber keine Naturkatastrophen, sondern größtenteils aus Profitgier herbeigeführte Mißtände. So sieht es nämlich aus in Kaltland. Und wer nach diesem Appell immer noch nicht sicher ist an wessen Seite er gegen „Vereinzelung“, „Profitgier“, die Besatzer im Irak und die ganzen bösen Faschisten kämpfen soll dem ist auch nicht mehr zu helfen. Kommentare zu diesem Post finden sich hier.

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